Wagenleben ist nicht mehr wegzukriegen!

Vor mehr als 4 Monaten wurde der Wagenplatz Kommando Rhino in der Vauban mit Polizeigewalt geräumt. Die Leute wurden vertrieben und mussten auf der Straße Stellplätze für ihre Wägen finden. Durch einen enormen Repressionsaufwand, Wagendurchsuchungen ohne Durchsuchungsbefehl, Beschlagnahmungen, Überwachung, Polizeibesuche, Personenkontrollen auf der Straße und mehr wurden die Möglichkeiten, öffentlichkeitswirksam zu arbeiten, massiv eingeschränkt. Der Platz wurde zerstört. Rhino wird in dieser Form natürlich nicht mehr existieren, wie die BZ nach über 4 Monaten weitsichtig feststellt. Die Badische Zeitung schreibt jedoch nicht über den krassen repressiven Druck der Stadt Freiburg und ihrer Exekutivorgane. Das Kollektiv Kommando Rhino wird für aufgelöst erklärt und es mag der einen oder dem anderen so vorkommen, als habe sich das Thema von selbst erledigt.

Doch die Rhinos und nicht nur diese sind noch da und haben sich bewusst für diese Wohnform entschieden. Sie stehen jetzt an Straßenränder, auf Parkplätzen und überall dort, wo sich halt was finden lässt. Währenddessen liegen weiterhin Gelände brach, sind teils noch nicht einmal im Bebauungsplan für 2020 gelistet und fristen ein trostloses Dasein. Und das in einer Stadt, in der Wohnraum knapp ist, Verwertungsinteressen die Mieten in Rekordhöhen jagen und Studis zu Semesterbeginn in die Turnhallen ziehen. Die Gelände sind genauso vorhanden wie Menschen, die auf sie ziehen würden.

Die Utopien auf einen, zwei, viele selbstverwaltete Wagenplätze sind in den Köpfen geblieben, die Wägen wurden nur gezwungendermaßen in alle Himmelsrichtungen verteilt. Neue Gruppen haben sich aufgetan, solidarische Gruppen, Menschen und Häuser haben für eine Zeit hier und da ein Plätzchen geschaffen. Auch außerhalb der Wägen bleibt das Thema nicht unvergessen, der Runde Tisch arbeitet weiter an Lösungen und an der Akzeptanz des Wagenlebens. Wagenleben ist aus Freiburg nicht mehr wegzukriegen, es hält nur momentan seinen polizeilich erzwungenen Winterschlaf.

In diesem Sinne wünschen wir uns ein frohes Erwachen, ein ereignisreiches Jahr 2012 und dass zu Weihnachten vielleicht doch noch was vom Himmel fällt.

Jetzt erst recht!
Wagenleben ist aus Freiburg nicht mehr wegzukriegen!
Für 1,2, viele Wagenplätze!

TEXT AUS DEM UMFELD DER ROTEN FLORA ZU DEN ENTWICKLUNGEN UM DIE RHINO RÄUMUNG

Auch grüner Kapitalismus kann brennen!

Während in London die Straßen brennen und Jugendliche nach Paris und Athen ein weiteres mal einer Gesellschaft, die alles verspricht und wenig hält, einen Spiegel vorhalten, verfolgen wir mit zunehmender Verwunderung die öffentliche Diskussion um Gewalt nach der Wagenplatzräumung von Kommando Rhino in Freiburg. Nicht die Zerstörung des Wagenplatzes steht im Mittelpunkt, sondern einige friedlich vor sich hinbrennende Baugeräte und Barrikaden auf der Straße.

Wir können verstehen, dass sich die Bewohner_innen des Wagenplatzes vor dem Hintergrund dieser Situation unter Druck fühlen, doch Kommando Rhino hat keine Veranlassung sich zu distanzieren. Notwendig ist angesichts der Sachlage nicht, den unverschämten Forderungen der Stadt und Polizei den Anschein irgendeiner Legitimität zu verleihen, sondern deren Politik eine Absage zu erteilen und weitere Proteste auf der Straße zu organisieren.

Die Repression, von der verschiedene Projekte durch mehrere Durchsuchungen, Verfahren und die Räumung des Wagenplatzes betroffen sind, empfinden wir als Angriff gegen autonome Strukturen und emanzipatorische Politik in Freiburg insgesamt. Wir erklären deshalb unsere Unterstützung autonomer Gruppen und linker Strukturen, die sich in Freiburg gegen die derzeitige Repression wehren.

Die Forderung nach Distanzierung dient allein der Verschiebung des medialen Diskurses auf eine Ebene, auf der die realen politischen Konflikte entsorgt werden. Wie viel Selbstsicherheit und Arroganz besteht eigentlich in den Elfenbeintürmen der Politik, wenn erwartet wird, dass es nach einem solchen Vorgehen der Polizei irgendeine Veranlassung für eine Entschuldigung von jenen gibt, die eine autoritäre staatliche Macht erfahren, die mit Baggern und Knüppeln alternativen Wohnraum zerstört.

Wovon eigentlich distanzieren? Die publizierten Molotowcocktails auf Feuerwehrleute offenbarten sich als die gleiche Propaganda, wie die Forderung nach einer Distanzierung selbst. Das angeblich gespannte Drahtseil, welches als heimtückische Falle dargestellt wurde, war nach anderen Berichten durch Absperrband und Warnschilder gesichert und wohl vor allem eine Schutzmaßnahme und Warnung vor Gegenständen auf der Fahrbahn. Obwohl wir an dieser Form der Straßenabsperrung mit einem gespanntem Seil Kritik haben und davon abraten, sehen wir sie nicht als „lebensbedrohlich“, sondern als Versuch, eines verantwortungsvollen militanten Handelns, vor der schwierigen Situation eines polizeilichen Angriffs. Straßenblockaden von der Sitzblockade bis zur Barrikade sind und bleiben ein wichtiges Element im Spektrum linker Protestformen. Unabhängig davon, ob es den Stadtverwaltungen und Politiker_innen oder denen, die von diesen Verhältnissen profitieren, passt oder nicht.

Diese Kultur des Widerstandes und Protestes von Bürgerinitiativen und Jugendlichen existiert nicht nur in Wyhl und Mutlangen, in Wackersdorf und im Wendland, bei der Verteidigung der Roten Flora in Hamburg, der Liebig 14 in Berlin, der autonomen Zentren in Köln oder Erfurt, sondern hat auch in Freiburg im Breisgau eine lange Geschichte.

Es ist schon mehr als Ironie der Geschichte, wenn ein grüner Bürgermeister, dessen Partei einst selbst in der Traditionslinie solcher Auseinandersetzungen stand, nun in Manier eines Filbinger Distanzierungen einfordert. Wenn es um die Verwendung von Molotovcocktails geht, sollte er vielleicht besser beim ehemaligen grünen Spitzenkandidaten und Außenminister Josef Fischer nachfragen, als über die Presse verlogene Erklärungen abzugeben und Krokodilstränen zu heucheln.

Was dachte die Stadt eigentlich, bevor sie mehrere 100 Beamte in Gang setzte? Eine Räumung ist kein Kindergeburtstag! Es ist die gewaltsame Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols, bei der schwere Verletzungen von Bewohner_innen und solidarischen Menschen durch polizeiliche Übergriffe in Kauf genommen werden. Barrikaden sind ein Teil des Selbstschutzes, um angreifende Polizeieinheiten zu verlangsamen und ein unmissverständliches politisches Signal des Protestes. Sie sind deshalb notwendig und richtig und nicht falsch.

Die Frage ist doch nicht, dass sich die Menschen wehren, sondern weshalb. Auch über Freiburg liegt keine Käseglocke einer Friedfertigkeit, die Fügsamkeit und Anpassung meint. Überall in der Welt wehren sich derzeit die Menschen gegen kapitalistische Stadtentwicklung, gegen steigende Mieten, gegen Verdrängung und Vertreibung in den Städten. In Athen, Barcelona oder Tel Aviv finden Massendemonstrationen und Krawalle gegen die globale Hoffnungslosigkeit der Ökonomie als zentrale Vorgabe der Stadtentwicklung statt.

Was geschieht eigentlich in den Köpfen der Verantwortlichen in den Stadtverwaltungen, wenn mit kühlem Schulterzucken und Verweis auf die Privatwirtschaft, Zentren von Jugendlichen wie das Ungdomshuset in Kopenhagen oder Wohnraum wie bei Kommando Rhino zum Abschuss freigegeben werden? Natürlich knallt es, wenn in Freiburg geräumt wird. Und natürlich ist dies kein romantisches Abenteuererlebnis, sondern ein Implodieren der strukturellen Gewalt, welche uns umgibt. Nicht von Protesten auf der Straße gilt es sich zu distanzieren, sondern von dieser Gewalt, die uns umgibt. Es gilt, sich von denen zu distanzieren, die uns diese Situation als Normalität verkaufen wollen und für standortpolitische und privatwirtschaftliche Interessen die Stadt zum Ort der Repression erklären. Der Widerstand auf der Straße ist und wird immer ein Teil von emanzipatorischen Bewegungen sein.

Es gibt ebenso keinen Grund sich fügsam zu verhalten und die vermeitlichen Sachzwänge der Politik als alternativlose Gesetzmäßigkeit zu akzeptieren. Die brennenden Barrikaden im Vauban waren kein destruktiver Moment, sondern in einer ganzen Abfolge von menschenverachtenen bürokratischen Entscheidungen, ein Lebenszeichen, dass es die Menschen in dieser Stadt noch gibt. Sie sind nicht nur die Füllmasse für Einkaufszentren, Fußgängerzonen und Immobilienblasen, sie sind nicht planbar und ihre Bedürfnisse nicht stapelbar in Verordnungen und Aktenzeichen. Dass Armut und soziale Ungerechtigkeit dabei auch unter ökologisch Vorzeichen reproduziert werden, zeigt die Wohnraumsituation in Freiburg. Hier wird im Lokalen deutlich, was im globalen Maßstab gilt: Auch grüner Kapitalismus schafft soziale Ungerechtigkeit und befördert die Verdrängung ärmerer und sozial ausgegrenzter Bevölkerungsgruppen durch Gentrifizierung!

Wir sind solidarisch mit den Bewohner_innen des Wagenplatzes Kommando Rhino und allen, die auf der Straße waren, um die gewaltsame Räumung zu verhindern. Es gibt keine bösen Autonomen oder guten Wagenbewohner_innen oder stadtentwicklungspolitischen Initiativen. Es gibt eine Bewegung, eine Aufbruchsstimmung, nicht nur in Freiburg, auch in anderen Städten wie Konstanz, Frankfurt, Köln, Berlin, Erfurt oder Hamburg. Das Einende dieser Bewegung sind nicht die politischen Ideologien oder Aktionsformen, sondern die Kritik an einer Stadt, die nicht Ausdruck eines Gemeinsamen ist, sondern von marktorientierten Standortfragen. Die nicht gesellschaftlicher, sondern privatwirtschaftlicher Besitz ist, die nicht vergesellschaftet wird im Interesse aller, sondern im Interesse des Kapitals per Gewaltmonopol kontrolliert wird.

Die Frage um Recht auf Stadt ist zu einer Frage um Gesellschaft und Teilhabe geworden. Der tägliche Gang durchs Fabriktor und manchmal auch dessen Blockade, die Organisierung innerhalb der Fabriken sind heute für immer mehr Menschen in den Metropolenregionen der Welt zu einem Gestern geworden. In Zeiten immaterieller Arbeit und prekärer Lebens- und Beschäftigungsverhältnisse organisieren sie sich zusehends innerhalb der Städte. Die Stadt ist unsere Fabrik und die Produktionsmittel in dieser Fabrik sind wir selbst. Wir selbst und unsere Umgebung sind dabei durchzogen von Brüchen und Überschüssen, von Widersprüchen und Hierarchien, die es immer wieder sichtbar zu machen gilt, um sie zum Gegenstand einer emanzipatorischen Kritik und Praxis zu machen. Wenn wir uns dieses Terrain aneignen, dann nicht aus Arbeitsethos, sondern um der Vorstellung des privaten oder staatlichen Eigentums, die des Gemeinsamen entgegenzusetzen. Die Stadt gehört nicht den Unternehmer_innen, den Politiker_innen, Stadtteilmanager_innen und Wohnungsbaugesellschaften oder jenen, die das Geld haben, um sie sich leisten zu können. Die Stadt gehört allen!

Die Stadt des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist an ihr Ende gekommen. Von nichts anderem erzählen die aktuellen Proteste in aller Welt, die Riots in den Straßburger Vorstädten, die Jugendunruhen in London und von nichts anderem erzählen auch die leise vor sich hinbrennenden Barrikaden auf Vauban. Auch grüner Kapitalismus kann brennen und das ist gut so. Denn der Markt kennt keine Antwort aus der Krise. Die Menschen können sich aber organisieren und die Stadt, die sie umgibt, selbst gestalten. Durch Aneignung und Kritik sich auf der Straße zeigen, durch Vernetzungen wie Recht auf Stadt, Mieterinnen_initiativen, autonome Zentren oder eben die Besetzung von Wagenplätzen.

Durch Solidarität, nicht nur mit sich selbst und den eigenen Lebensbedingungen und Milieus, sondern mit allen, die auf den Straßen und in den Städten vertrieben werden, weil sie zu arm sind oder illegalisiert werden oder einfach, weil sie sich gegen diese Zustände wehren.

Wir unterstützen die Aktivist_innen in Freiburg in ihren Mobilisierungen gegen die aktuelle Repression, und rufen auch andere Städte und Projekte zur Unterstützung der angegriffenen Freiburger Strukturen auf. Denn es geht nicht nur um Kommando Rhino, die Repression gegen autonome Gruppen und die Razzien in der besetzten Gartenstraße oder dem KTS in Freiburg, sondern um die ganze verkackte Scheiße, welche uns überall begegnet, weshalb auch wir ihr überall begegnen können.

Gegen Ausgrenzung, Vertreibung und Gentrifizierung – die Stadt gehört allen!
Solidarität mit besetzen Häusern und Wagenplätzen, Kommando Rhino und allen, die sich für deren Vervielfältigung einsetzen!

Autonome aus dem Umfeld der Roten Flora

zomia Solierklärung

Solierklärung vom Wagenplatz Zomia

Solidarität mit dem aktuell beschäftigten Kommando Rhino.
wütend und traurig! so sitzen wir in hamburg und verfolgen über die
distanz der medien das aktuelle geschehen bei euch.
geht’s noch, fragen wir uns? kein ersatzgelände, keine lösung, sondern
gewaltsame räumung als lösung in einer stadt wie freiburg, die bei
vielen das vorurteil einer ach so alternativen, sogar “bunten” stadt
auslöst. es kotzt uns an, dass sowas nicht gilt, wenn es um einen
wirklichen freiraum geht. wenn sich orte, gruppen, kollektive einer
kontrolle zu entziehen scheinen, ist es aus mit lustig. wenn
selbstverwaltung, selbstbestimmung oder auch noch unkommerzielle
alternativen gelebt werden, wird flugs eine bedrohung konstruiert! ein
leben unter jahrelanger räumungsbedohung wird erschaffen. wer eine
lebendige stadt wollte, muss sie auch aushalten? verlogene kackscheisse.
um so mehr vor dem hintergrund, dass die stadt freiburg trotz ihrer
behauptung, wagenplätze auf privaten flächen zulassen zu wollen, von
rhino selbst vorgeschlagene private flächen unter fadenscheinigen
vorwänden abgelehnt hat. gegenüber rhino gibt’s dann die ansage es gäbe
einen konträren beschluss vom gemeinderat. das alte liedchen: eine
generelle anti-haltung gegen wagenplätze nicht explizit machen und
bürokratisch als unumgänglich (leider, leider) darstellen. scheinbare
individuelle gründe für eine generelle zerstörung und vertreibung
nutzbar machen: wie bequem. konstruktive lösungen suchen sieht mal so
echt anders aus! es ist möglich, für jede fläche einen grund zu finden,
warum es hier nicht geht. es ist aber auch möglich einen weg zu finden,
wie es da gehen könnte. geht für stadtplanerische moppelkotze von oben
ja auch regelmäßig.

wir verurteilen, menschen ihren wohnraum zu nehmen. noch grotesker wird
diese vorgehensweise vor dem hintergrund, dass es keine alternative
geben soll, dass der explizite wunsch im kollektiv zu leben nicht
anerkannt wird, dass vereinzelung erzwungen wird. wir kritisieren einen
staat, der wohngehäuse von leuten räumen, zerstören, einziehen, behalten
und ach so unbeabsichtigt beim räumen beschädigen kann und immer wieder
damit droht. diese unverhältnismäßigkeit ist dreckig und betont die
ignoranz gegenüber „geandert“ lebenden menschen. solche vorgehensweise
und staatsrepression war noch nie geeignet, um menschen auf die dauer zum
schweigen zu bringen. sondern sie macht wütend, radikalisiert und zeigt
menschen, warum es sich lohnt, sich einzusetzen. wagenmenschen können
nicht wegdefiniert werden, auch nicht mit gewalt. hallo, was denkt ihr?
die leute sind dann doch nicht weg! wir werden mehr! 1, 2, 5, 1000
wagenplätze! in freiburg, hamburg, berlin – überall!

“friedliche lösung statt gewaltsamer räumung” wird vom kommando rhino
gefordert. ein gewaltfreier aktionskonsens wird vereinbart.
stattdessen: wagenplatzräumungen, repression, das ausspielen von
staatsmacht und polizeitgewalt sind ausdruck gesellschaftlicher
verhältnisse. die scheinbare alternativlosigkeit wird mal wieder mit dem
holzhammer auf den kopf gehauen. wir verstehen gut, dass die menschen in
freiburg dabei nicht zusehen wollen und zu unterschiedlichen
aktionsformen greifen! es wird mal wieder gezeigt, dass kein funke eines
willens besteht, das staatsmachtmonopol für die bedürfnisse von anders
lebenden menschen einzusetzen (hat das jemensch erwartet?). arroganz der
macht! wagenplätze als anlass nehmen, um leute zusammenzuprügeln? die
aktuellen geschehnisse und aktionsformen von solidarischen menschen in
freiburg verwundern uns nicht.

wir fordern von der stadt freiburg:
räumung sofort stoppen, rhino lassen wo es ist!
keine räumung, einzug, zerstörung, beschädigung von wohngehäusen!
staatsmacht einmal sinnvoll nutzen: keine staatsgewalt, sondern
friedliche lösungen!
keine zerstörung des politischen kunst-, kultur- und wagenkollektivs!
keine vereinzelung!
wir fordern die anerkennung der wohnform und der lebensweise im wagen in
freiburg, hamburg und überall!
solidarität mit kommando rhino!

wenn ihr uns nicht tanzen lasst, lassen wir euch nicht schlafen!

solidarische grüße vom
wagenplatz zomia // hamburg
(räumungsverfügung 30.4.2011, bisher nicht umgesetzt)

STELLUNGNAHME VON S.U.S.I.

STELLUNGNAHME
des S.U.S.I.-Projekts zur Räumung des
Wagenkollektivs Kommando Rhino

6. August 2011

FRIEDLICHES WAGENLEBEN IN FREIBURG
Seit zwei Jahren leb(t)en die BewohnerInnen vom Wagenkollektiv Rhino in unserer unmittelbaren Nachbar-
schaft. Mit bescheidenen Mitteln, aber dafür mit umso mehr Energie und Kreativität haben sie aus einem
tristen, vermüllten Parkplatz einen außergewöhnlichen, nachhaltigen Lebensraum und inspirierende (Le-
bens)Kunst geschaffen. An Stelle einer Brachfläche wurden improvisierte Garteninseln angelegt und gepf-
legt, öffentlich zugängliche Sitzgelegenheiten und ein Pavillon im Kieselgarten luden zum Verweilen ein. Die
AnwohnerInnen und die vielen PassantInnen waren stets willkommen, sich an der Wandzeitung oder im
direkten Gespräch über die Situation der Rhinos zu informieren. An einem exponierten öffentlichen Platz
wurde so über zwei Jahre sichtbar, dass friedliches Wagenleben in Freiburg möglich ist!

ZU DEN EREIGNISSEN VOR UND WÄHREND DER RÄUMUNG AM MITTWOCH, 3.8.2011
Gemäß ihrer offenen Kommunikationskultur hat das Wagenkollektiv Kommando Rhino nach der schriftlichen
Aufforderung durch die Stadt Freiburg angekündigt, dass die BewohnerInnen den Platz nicht ohne friedli-
chen, kreativen Protest verlassen werden. Am Montag (1.8.) und Mittwoch (3.8.) waren primär gewaltfreie
Aktionsformen zu beobachten. Immer wieder appellierten die WagenburglerInnen für einen friedlichen Pro-
test. Sie hatten sich vorsorglich gegen die Verwendung von Getränkeflaschen aus Glas ausgesprochen,
stattdessen für Plastikbecher, -flaschen etc. gesorgt, um mögliche Verletzungen zu vermeiden. Herumlie-
gende Flaschen und Glasscherben wurden von Rhinos eingesammelt und entsorgt.
Die besonnene Vorbereitung und die Appelle hatten Erfolg: die DemonstrantInnen verhielten sich lautstark,
aber durchweg friedlich. Diese von den Rhinos vertretenen, gewaltfreien Protestformen unterstützen wir. Als
am Mittwoch Hundertschaften der Polizei zur Räumung anrückten, war der Platz menschenleer.

POLIZEIEINSATZ AUF PRIVATGELÄNDE
Etliche BewohnerInnen von S.U.S.I. und AnwohnerInnen aus der Nachbarschaft, die in den frühen Morgen-
stunden am 3.8. rund um die Vaubanallee standen, wurden von dem groben Auftreten hunderter PolizistIn-
nen überrascht.

S.U.S.I. kritisiert,
- dass die Polizei am Polizei-Sperrzaun auf der Vaubanallee Pfefferspray anwandte und gegenüber
gewaltfrei Protestierenden Schlagstöcke einsetzte;
- dass maskierte Polizisten grundlos und gewaltsam auf das Privatgelände der S.U.S.I. eingedrungen
sind und dabei schutzbedürftige Personen wie Jugendliche und Schwangere in Gefahr brachten;
- dass diese und zusätzlich hinzugekommene PolizistInnen der vielfachen Aufforderung, unser
Privatgrundstück zu verlassen, nicht nachgekommen sind;
- dass die Polizei Menschen, die ausnahmslos nur passiven Widerstand leisteten, die Bewegungs-
freiheit auf dem privaten Grundstück verwehrten;
- dass Polizisten einem Journalisten, der seinen Presseausweis vorzeigte und darauf bestand, als
Medienvertreter und Berichterstatter zu der Gruppe der PressevertreterInnen durchgelassen zu wer-
den, diesen Zugang verwehrten und von vier Polizisten gewaltsam festgenommen wurde.

S.U.S.I. wird gegen das unerlaubte Betreten und Agieren der Polizei auf Privatgelände rechtlich vorgehen
und Strafanzeige erstatten.

OFFENE FRAGEN ZUR RÄUMUNGSNACHT
Nach dem unverhältnismäßigen Aufwand zur Räumung des Vauban-Platzes M1, nach unwahren Behaup-
tungen des Pressesprechers der Polizeidirektion Freiburg, die nicht hinterfragt von Medien in Freiburg über-
nommen und in der Folge auch deutschlandweit verbreitet wurden, bleiben für uns viele Fragen offen, u. a. :
- Generell stellt sich die Frage, wie trotz der massiven Videoüberwachung sowie zahlreichen zivil ge-
kleideten Polizisten behauptet werden kann, von einer „Welle der Gewalt überrollt“ (Polizeisprecher
Schmid, Badische Zeitung, 4.8.2011) worden zu sein?
- Kann angesichts zwei brennender Barrikaden von „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ bzw. einer
„Welle der Gewalt“ (Badische Zeitung, 4./5.8.) gesprochen werden?
- Wie kam es zu der mittlerweile dementierten Behauptung: „Es wurden Molotow-Cocktails geschmis-
sen …“? (Originalton des Polizeisprechers Karl-Heinz Schmid im SWR-Beitrag „Freiburg hat keine
friedliche Nacht erlebt“)
- Laut Polizeisprecher Schmid waren in jener Nacht Autonome „mit Fahrrädern mobil und in der gan-
zen Stadt unterwegs“ (Badische Zeitung vom 5.8.2011, S. 19)
… woran erkennt die Polizei „gewaltbereite radfahrende Autonome“?
… wieso sollten diese mehrere (wie viele?) Drähte über die Straße spannen, die in erster Linie Rad-
fahrer, also auch die aus der Innenstadt kommenden UnterstützerInnen, gefährdet haben?
- Warum hat die Polizei nicht frühzeitig auf die etlichen Notrufe bei Polizei und Feuerwehr reagiert?
Welche Absichten lagen der „strategischen Entscheidung“ (Polizeisprecher Schmid, Badische Zei-
tung, 05.08.2011, S. 19), nicht einzugreifen, zugrunde?
- Warum konnten die Barrikaden an der Merzhauserstraße stundenlang brennen, obwohl mehrere
Hundertschaften der Polizei bereit standen? War die Freiburger Polizei tatsächlich nicht in der Lage,
gegen die als Verantwortliche ausgemachten 15–20 „vermummten Personen“ (Badische Zeitung,
03.08.2011) vorzugehen?

Vor dem Hintergrund der vielen offenen Fragen fordern wir, dass der Polizeieinsatz von einem neutralen
Ausschuss untersucht wird, und kritisieren die erfolgten Vorverurteilungen.

Selbstverständlich lehnt das Projekt S.U.S.I. Gewalt gegen Menschen ab – von wem auch immer diese
durchgeführt wird. Nichtsdestotrotz verwahren wir uns gegen die Kriminalisierung der gesamten linken Zu-
sammenhänge im Anschluss an die Räumung des M1-Geländes (mehrfaches polizeiliches Eindringen in
Privaträume, Hausdurchsuchungen, willkürliche Verhaftungen und Schließung der Gartenstraße 21 etc.).

EINE OFFENE GESELLSCHAFT LEBT VON VIELFALT
Die BewohnerInnen vom Wagenkollektiv Kommando Rhino gehören zu unserer Stadt. Sie brauchen einen
Platz, den sie für ihre Lebensform nutzen können. Leider wurden ihre Bemühungen nach alternativen Lö-
sungen von der Stadtverwaltung mehrfach ausgebremst. Wir rufen die Stadt Freiburg auf, zusammen mit
dieser Gruppe eine verträgliche Lösung zu finden bzw. ihnen bei ihrer Suche nach einem Privatgelände kei-
ne Steine in den Weg zu legen.

VAUBAN OHNE RHINO IST WIE POPCORN OHNE KINO …
Insgesamt bleibt von den letzten Tagen ein bitterer Nachgeschmack, verursacht durch die erschreckend
tendenziöse und suggestive Berichterstattung von Seiten der Stadt, Polizei und Presse. Diese Art der Be-
richterstattung ignoriert, dass das Wagenkollektiv Rhino über zwei Jahre unkonventionelle Kultur geschaffen
hat, dass Wagenleben ein Lebensentwurf von immer mehr Menschen ist und dass es über die gesamte Zeit
bis zum Schluss friedlichen Protest von Seiten der Rhinos und SympathisantInnen gab. Mit der Verdrän-
gung des Wagenkollektivs geht unserem Stadtteil ein großes Stück Kultur verloren. Das Bild, das von den
Medien gezeichnet wird, widerspricht unseren Erfahrungen und Beobachtungen der Räumung und wird dem
gutem nachbarschaftlichen Verhältnis mit den WagenbewohnerInnen nicht gerecht.

Wir danken Euch Rhinos für eine tolle Nachbarschaft und wünschen Euch für die Zukunft alles erdenklich
Gute. Bei uns seid Ihr immer herzlich willkommen! Wir werden Euch vermissen!

BewohnerInnenversammlung des S.U.S.I.-Projektes vom 05.08.2011

Solierklärung imBus

SOLIERKLÄRUNG VON „imBUS“

Unser geliebtes Kommando Rhino wurde in der Nacht auf Mittwoch (03.08.2011) mit einem martialischen Polizeiaufgebot von seinem angestammten Platz geräumt. Ein wichtiger und wunderbarer Teil der unkommerziellen Kultur und des solidarischen und emanzipatorischen Zusammenlebens Freiburgs wurde eingestampft.
Die Menschen des Rhino Kollektivs und ihre Wägen haben sich aber natürlich nicht in Luft aufgelöst. Für sie gibt es immer noch keine längerfristige Alternative.
Hauptverantwortlich für diese Misere ist unseres Erachtens die Stadtveraltung Freiburgs, die mit allen Mitteln versucht Wagenbewohnerinnen zu kriminalisieren, private Grundstücksbemühungen zu sabotieren und Wäglerinnen aus der Stadt zu vertreiben. Siehe die Affaire von Geyling, die Geschichte der Schattenparkerinnen, die Repression gegen am Straßenrand und auf öffentlichen Parkplätzen parkende Wagenbewohnerinnen. Das Leben im Wagen ist ein Politikum, dessen sich die Stadtveraltung Freiburgs endlich konstruktiv annehmen muss. Die Ausrede, es gibt bereits 3 ausgewiesene Flächen für Wagenburgen in Freiburg und basta! wird den Bedürfnissen der Wäglerinnen und einer offenen Umgangsweise mit experimentellen Wohnformen in keiner Weise gerecht. Zum einen liegen diese Flächen in absoluten Randbezirken der Stadt, was einem Bedürfnis nach Urbanität zuwiderläuft und zum anderen sollte eine relative Wahlfreiheit der Nachbarschaft und des Standortes auch für die Wohnform im Wagen ermöglicht werden. Es gibt genug städtische als auch private Gelände in Freiburg, die wunderbar für Zwischennutzungen geeignet sind. Siehe den Bebauungsplan der Stadtverwaltung. Auch das Kommando Rhino wäre, nach eigenen Aussagen, umstandslos auf ein neues Gelände, das vielleicht erst in 2-3 Jahren bebaut werden soll, umgezogen. Das ist ja auch gerade das schöne am Leben im Wagen, dass Mensch mit seinem Zuhause mobil und flexibel ist. Aber soweit scheint die ach so innovative und grüne Stadt Freiburg noch nicht zu sein.
Wir die Wagengruppe imBus verurteilen den Umgang von Stadt und Polizei mit dem Kommando Rhino und den anderen Freiburger Freiräumen und fordern sie dazu auf nicht weiter um sich zu schlagen, sondern ihren Bürgerinnen, zu denen wir auch gehören, zuzuhören und gemeinsam an kontruktiven Lösungen für ein respektvolles Zusammenleben zu arbeiten.
Wir solidarisieren uns mit dem Kommando Rhino und den anderen von Repression betroffenen Projekten Freiburgs und wünschen uns einen respektvolleren Umgang seitens der Stadt mit denen die sie vorgeben zu vertreten und zu verwalten.

Solierklärung gängeviertel

Solidarität mit Kommando Rhino!

Wir sind erschüttert über die Räumung des Freiburger Wagenplatzes Kommando Rhino am vergangenen Mittwoch. Es kann nicht angehen, dass Leuten nach zwei Jahren ihre Wohn- und Lebensfläche genommen wird um ein Hotel zu bauen. Ebenso ekelhaft sind die vielen Anquatschversuche im Vorfeld der Räumung, die Räumung selbst, insbesondere auch der Einsatz einzelner SEK Einheiten, sowie die anschließenden Razzien in der KTS und der Gartenstraße 19.

Diese Vorfälle aber sind keine Ausrutscher der herrschenden Politik, sondern Auswüchse des kapitalistischen Staates und der daraus resultierenden Stadtplanung und Sicherheitsstrategie. In anderer Form zeigen sich diese immer wieder wenn die Repressionsmaschinerie gegen Besetzer_innen und vermeindliche Unruhestifter_innen im Stadtteil vorgeht, egal ob in Berlin bei der Räumung der Liebig 14, in Köln bei der Belagerung des AZ Kalk, oder in Hamburg bei den Räumungen der Juliusstraße und des AZ Altona, der Sperrgebietsverordnung in St. Georg oder den Gefahrengebieten um den 1. Mai und zum Schanzenfest ? um nur ein paar aktuelle Beispiele zu nennen.

Auch die lokalen Konflikte um die Rote Flora und den Wagenplatz Zomia betrachten wir nicht als abgehakt, sondern höchstens entschleunigt, solange linke Politik, Besetzungen und Wagenleben weiterhin kriminalisiert werden.

Solidarität mit Kommando Rhino – für mehr Bauwagenplätze!

Gegen die Hetze – Fight repression!

Gentrifizierung sabotieren – Leerstand besetzen!

Stadt selbst machen!

Druckerei im Gängeviertel, 05.08.2011

PM der Schattenparker anlässlich der Räumung von Kommando Rhino

Die am 03.08.2011 in den frühen Morgenstunden durchgeführte Räumung und
die damit einhergehende Vertreibung der Menschen des Kunst-, Kultur- und
Wagenkollektivs „Kommando Rhino“, verurteilen wir, die Schattenparker auf
das Äußerste.

Zwei Jahre lang war das M1-Gelände ein Ort für unkommerzielle
Veranstaltungen, freien Gedankenaustausch und selbstbestimmtes/
selbstorganisiertes Leben, der unter dem Denkmantel eines
„sozialorientierten Bauprojektes“ geopfert wurde.

Auch die in den vergangenen Nächten stattgefundenen repressiven Maßnahmen
gegen die KTS und die Gartenstraße sowie übermäßige Personenkontrollen im
Umfeld zeigen wie verzweifelt die Stadtverwaltung und Polizeiführung nach
einer Rechtfertigung für den unverhältnismäßigen Einsatz von ca. 1000
Polizeibeamten gegenüber ca. 200 Rhinounterstützern sucht.

Zudem sorgt auch die einseitige politische Hetze einiger Medien für eine
Kriminalisierung des Wagenlebens und alternativen Projekten.
Statt sich über Barrikaden von angeblich gewaltbereiten Chaoten zu
echauffieren sollte erwähnt werden, was Menschen angetan wird, wenn Ihnen
ihre Lebensgrundlage genommen wird. Des weiteren muss die Finanzierung und
Durchsetzung solcher repressiven Maßnahmen hinterfragt werden, da es
anders gelöst werden könnte.
Ein gemietetes Grundstück für einen Wagenplatz kostet nur einen Bruchteil
und ist langfristig gesehen umsetzbar, wie am Beispiel von Wagenplätzen in
vielen Orten gesehen werden kann.
In Freiburg jedoch werden auf Kosten von unkommerziellen und alternativen
Projekten die profitorientierten Interessen der Stadtverwaltung
durchgesetzt.
Der Bedarf nach verschiedensten Lebenskonzepten besteht und kann durch
Polizeigewalt nicht unterdrückt werden. Dies sollte die Stadt aus
bisherigen Erfahrungen gelernt haben und endlich akzeptieren, dass wir in
Freiburg leben und uns nicht vertreiben lassen.