Pressemitteilung vom 03.08.11

Räumung des Wagenplatzes Kommando Rhino

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde das politische Kunst-, Kultur- und Wagenkollektiv Kommando Rhino in der Vauban durch ein martialisches Polizeiaufgebot geräumt. 200 Fahrzeuge, schweres Räumgerät und mehrere Hundertschaften inklusive vermummter Spezialeinheiten wurden zusammengezogen, um die gewaltsame Räumung des Geländes durchsetzen zu können.
Unabhängig vom Geschehen auf dem Platz wurden durch Kleingruppen bereits ab 2 Uhr nachts in Solidarität mit Rhino Barrikaden errichtet, die teilweise brannten. In Bezug auf diese Ereignisse muss betont werden, dass das Kollektiv Kommando Rhino Gewalt gegen Menschen ablehnt und im Vorfeld der Räumung ein gewaltfreier Konsens gefasst wurde. Wir, die ehemaligen Bewohner_innen des M1-Geländes und weitere Unterstützer_innen, versammelten uns auf der Straße vor M1, um gewaltfreien Widerstand zu leisten, der aber durch eine Übermacht der Polizei im Keim erstickt wurde. Entgegen einigen Presseberichten befanden sich zum Zeitpunkt der Räumung keine Personen auf dem verbarrikadierten Gelände.

Im Stadtteil Vauban herrschten besatzungsähnliche Zustände: Viele Vauban-Bewohner_innen konnten sich nicht mehr frei im Viertel bewegen, der Stadtteil war komplett nach außen abgeriegelt und es gab viele Personenkontrollen.
Es kam zu willkürlichen Festnahmen mit teils brutalem Vorgehen, unter anderem gegen einen Vertreter der Presse, und auch abseits des Geschehens. Als Beispiel für das rücksichtslose Vorgehen der Polizei wären z.B. das unrechtmäßige Betreten des Geländes des SUSI-Wohnprojekts durch eine Spezialeinheit der Polizei und das aggressive Verhalten eines mit einem Brecheisen bewaffneten Polizisten gegenüber einem Mitglied der Unabhängigen Listen zu nennen. In diesen Situationen machte es den Eindruck, als hätte die Einsatzleitung keinerlei Kontrolle mehr über das Verhalten ihrer Hundertschaften, oder aber sie nahm solches bewusst in Kauf.
Nach der Abriegelung des Geländes wurden sämtliche Gebäude auf dem Gelände abgerissen, die für zwei Jahre Begegnungsstätte und kultureller Veranstaltungsort waren. Alle verbleibenden Wohnwagen wurden beschlagnahmt, wodurch Wohnraum zerstört und uns unser Lebensraum genommen wurde. Dieses Vorgehen in Kombination mit dem absolut übermächtig wirkenden Polizeiaufgebot hinterließ bei den ehemaligen Bewohner_Innen des Geländes und den anwesenden Unterstützer_Innen ein Gefühl der Ohnmacht. Dazu äußert sich Wagenbewohnerin Olga folgendermaßen: „Ich muss zusehen, mit welch brutaler Gewalt die Stadt hier unseren Lebensraum und unkommerzielle Kultur zerstört, um ihre Interessen zu durchzusetzen – das ist furchtbar!“

Durch die gewaltsame Räumung wurde der Konflikt um Kommando Rhino nicht gelöst, sondern im Gegenteil nur verschärft. Trotz des Verlusts unseres Lebensraums verschwinden wir nicht von der Bildfläche und suchen nach wie vor ein Ausweichgelände in Freiburg, wo wir leben und unser Kunst-, und Kulturkollektiv weiterführen können. Ab sofort werden wir verstärkt durch Aktionen im öffentlichen Raum präsent sein, unter anderem mit einer lautstarken und kraftvollen Demonstration am Wochenende in der Innenstadt.

Rhino bleibt in Freiburg!

Kommando Rhino