zomia Solierklärung

Solierklärung vom Wagenplatz Zomia

Solidarität mit dem aktuell beschäftigten Kommando Rhino.
wütend und traurig! so sitzen wir in hamburg und verfolgen über die
distanz der medien das aktuelle geschehen bei euch.
geht’s noch, fragen wir uns? kein ersatzgelände, keine lösung, sondern
gewaltsame räumung als lösung in einer stadt wie freiburg, die bei
vielen das vorurteil einer ach so alternativen, sogar “bunten” stadt
auslöst. es kotzt uns an, dass sowas nicht gilt, wenn es um einen
wirklichen freiraum geht. wenn sich orte, gruppen, kollektive einer
kontrolle zu entziehen scheinen, ist es aus mit lustig. wenn
selbstverwaltung, selbstbestimmung oder auch noch unkommerzielle
alternativen gelebt werden, wird flugs eine bedrohung konstruiert! ein
leben unter jahrelanger räumungsbedohung wird erschaffen. wer eine
lebendige stadt wollte, muss sie auch aushalten? verlogene kackscheisse.
um so mehr vor dem hintergrund, dass die stadt freiburg trotz ihrer
behauptung, wagenplätze auf privaten flächen zulassen zu wollen, von
rhino selbst vorgeschlagene private flächen unter fadenscheinigen
vorwänden abgelehnt hat. gegenüber rhino gibt’s dann die ansage es gäbe
einen konträren beschluss vom gemeinderat. das alte liedchen: eine
generelle anti-haltung gegen wagenplätze nicht explizit machen und
bürokratisch als unumgänglich (leider, leider) darstellen. scheinbare
individuelle gründe für eine generelle zerstörung und vertreibung
nutzbar machen: wie bequem. konstruktive lösungen suchen sieht mal so
echt anders aus! es ist möglich, für jede fläche einen grund zu finden,
warum es hier nicht geht. es ist aber auch möglich einen weg zu finden,
wie es da gehen könnte. geht für stadtplanerische moppelkotze von oben
ja auch regelmäßig.

wir verurteilen, menschen ihren wohnraum zu nehmen. noch grotesker wird
diese vorgehensweise vor dem hintergrund, dass es keine alternative
geben soll, dass der explizite wunsch im kollektiv zu leben nicht
anerkannt wird, dass vereinzelung erzwungen wird. wir kritisieren einen
staat, der wohngehäuse von leuten räumen, zerstören, einziehen, behalten
und ach so unbeabsichtigt beim räumen beschädigen kann und immer wieder
damit droht. diese unverhältnismäßigkeit ist dreckig und betont die
ignoranz gegenüber „geandert“ lebenden menschen. solche vorgehensweise
und staatsrepression war noch nie geeignet, um menschen auf die dauer zum
schweigen zu bringen. sondern sie macht wütend, radikalisiert und zeigt
menschen, warum es sich lohnt, sich einzusetzen. wagenmenschen können
nicht wegdefiniert werden, auch nicht mit gewalt. hallo, was denkt ihr?
die leute sind dann doch nicht weg! wir werden mehr! 1, 2, 5, 1000
wagenplätze! in freiburg, hamburg, berlin – überall!

“friedliche lösung statt gewaltsamer räumung” wird vom kommando rhino
gefordert. ein gewaltfreier aktionskonsens wird vereinbart.
stattdessen: wagenplatzräumungen, repression, das ausspielen von
staatsmacht und polizeitgewalt sind ausdruck gesellschaftlicher
verhältnisse. die scheinbare alternativlosigkeit wird mal wieder mit dem
holzhammer auf den kopf gehauen. wir verstehen gut, dass die menschen in
freiburg dabei nicht zusehen wollen und zu unterschiedlichen
aktionsformen greifen! es wird mal wieder gezeigt, dass kein funke eines
willens besteht, das staatsmachtmonopol für die bedürfnisse von anders
lebenden menschen einzusetzen (hat das jemensch erwartet?). arroganz der
macht! wagenplätze als anlass nehmen, um leute zusammenzuprügeln? die
aktuellen geschehnisse und aktionsformen von solidarischen menschen in
freiburg verwundern uns nicht.

wir fordern von der stadt freiburg:
räumung sofort stoppen, rhino lassen wo es ist!
keine räumung, einzug, zerstörung, beschädigung von wohngehäusen!
staatsmacht einmal sinnvoll nutzen: keine staatsgewalt, sondern
friedliche lösungen!
keine zerstörung des politischen kunst-, kultur- und wagenkollektivs!
keine vereinzelung!
wir fordern die anerkennung der wohnform und der lebensweise im wagen in
freiburg, hamburg und überall!
solidarität mit kommando rhino!

wenn ihr uns nicht tanzen lasst, lassen wir euch nicht schlafen!

solidarische grüße vom
wagenplatz zomia // hamburg
(räumungsverfügung 30.4.2011, bisher nicht umgesetzt)