29.07.2009
Das Kunst-, Kultur- und Wagenkollektiv Kommando Rhino besetzt das Gelände „M1″ am Eingang des Freiburger Stadtteils Vauban.


Fotomontage Betonriegel 2005
Das M1 – Gelände ist eines der letzten unbebauten Grundstücke im Vauban.

Bereits seit 2005 machen die BewohnerInnen des Stadtteils klar, dass ein damals geplanter Betonriegel nicht ihren Vorstellungen von einer angemessenen Nutzung des Grundstücks entspricht.

Protest gegen den Bau des Green Business Centers
Im Mai 2008 war das Gelände im Rahmen des Aktionsmonats „Utopie leben“ besetzt und als Park hergerichtet worden, im darauffolgenden Jahr wurde es von Freiraum-AktivistInnen erneut besetzt (1 2). Etwa zur selben Zeit beginnt der Stadtteilverein Vauban einen eigenen Entwurf zu entwickeln, bei dem der Wunsch der Bewohnerinnen und Bewohner für eine weniger dichten Bebauung umgesetzt ist. Mit Briefen an den Oberbürgermeister und den Stadtrat appellieren die Bewohnerinnen und Bewohner der Vauban den Entwurf des Stadtteilvereins als mögliche Variante zu sehen.

Mit der Besetzung Ende Juli 2009 fordert Kommando Rhino die Mit­be­stim­mung der Quar­tier-​Be­woh­ne­rIn­nen zur Gestaltung des Vauban-Eingangs (Pressemitteilung vom 30.Juli 2009). Das Projekt Kommando Rhino reiht sich in eine lange Geschichte von Wagenplätzen in Freiburg und insbesondere im Stadtteil Vauban ein.

31.07. 2009
Die Pläne zum Bau des Green Business Center scheitern. Während man im Rathaus mit der Frage beschäftigt ist, was nun mit M1 geschehen soll, etabliert sich das Projekt Kommando Rhino:

August 2009

Café RhinoAm Eingang zum besetzten Gelände entsteht das „Café Rhino“ als Schnittpunkt zu den BewohnerInnen des Stadtteils Vauban. Direkt an der Straßenbahnhaltestelle Paula-Modersohn-Platz gelegen, kommt es hier zum Austausch zwischen BürgerInnen und BesetzerInnen.
Kunstausstellung 01.10.2009

Kommando Rhino beginnt, Kulturveranstaltungen durchzuführen: jeden Mittwochabend gibt es Freiluftkino, es finden Konzerte und Kunstaustellungen statt.
Tage der offenen Tür werden veranstaltet, um weiter mit den Vauban-BewohnerInnen ins Gespräch zu kommen.

Herbst 2009

„Wir fordern die Bürgerbeteiligung zur Gestaltung von M1″ – diverse Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung finden statt. Grundfragen sind:
- Was soll mit dem Gelände M1 geschehen?
- Wie kann die Bürgerbeteiligung auf einer möglichst breiten Ebene stattfinden?

Besonders die Veranstaltung am 3. Oktober ist gut besucht. Danach wird das Projekt Bürgerbeteiligung vom Stadtteilverein Vauban weitergeführt:

- http://eingang-freiburg-vauban.de/
(Ideenwerkstatt zur Gestaltung von M1)
- Offener Brief des Stadtteilvereins an die Stadträtinnen und Stadträte

Winter 2009/2010

Kommando Rhino ist räumungsbedroht! Am 15. Dezember 2009 votiert der Stadtrat für den Verkauf des M1-Geländes an die Stadtbau GmbH, sowie eine Zwischennutzung des Geländes als Infopark zur Expo in Shanghai ab vorraussichtlich April/Mai 2010 und ignoriert damit den Wunsch nach einem Beteiligungsverfahren der Bewohnerinnen und Bewohnern der Vauban. Zur Gestaltung des M1 soll ein Wettbewerb unter fünf Architekturbüros stattfinden. Der Stadtteilverein Vauban darf ein sechstes Büro benennen und wird mit einem Sitz in der Jury abgespeist. (Amtsblatt 18.12.2009)

Demo 9. Januar Es wird wieder demonstriert. Direkt im Anschluss der Gemeinderatssitzung protestiert Kommando Rhino in einer Spontandemo gegen diesen Beschluss. Im Dezember und Januar kommt es zu weiteren Demonstrationen. Für mehr selbstverwaltete Lebensräume und alternative Wohnformen ziehen im Januar mehr als 200 Menschen unangemeldet, laut und bunt durch die Freiburger Innenstadt. Artikel (indymedia) | Fotos (Badische Zeitung) Kommando Rhino macht deutlich, dass der Gemeinderatsbeschluss nicht akzeptieren wird.

Während der Stadtteilverein Vauban, die GAF (Grüne Alternative Freiburg) und die UL (Unabhängige Liste) die Nutzung des Geländes durch Kommando Rhino unterstützen und befürworten, (Briefe an OB Salomon
Stadtteilverein | GAF) beginnt zwischen Kommando Rhino und der Stadt der Dialog über einen geeigneten Gesprächsrahmen für Verhandlungen. Sowohl Gesprächsort, Gesprächsthemen, als auch der Teilnehmerkreis sorgen für Kontroverse.


Der erste Termin für ein Verhandlungsgespräch im Januar 2010 wird von Kommando Rhino abgesagt. Rhino fordert für das Gespräch die Teilnahme von Vertretern des Stadtrates, welches die Stadtverwaltung vehement ablehnt. Aus diesem Grund scheitert auch der zweite Versuch eines Gespräches. (Pressemitteilung 25.1.2010) Die Stadt macht deutlich, dass es bei dem Gespräch ausschließlich um ein Ersatzgelände für das Wagenkollektiv gehen soll und nicht wie von Kommando Rhino gefordert um das MI1-Gelände und die Wäglersituation insgesamt.

Ein neuer Termin wird für Anfang Februar 2010 vereinbart und es scheint, als ob das Gespräch endlich stattfinden kann. Im Rathaus kommt es dann aber zum Eklat. Die Anwesenheit eines Sachverständigen des Stadtteilvereins Vauban ist für OB Salomon Grund, das Gespräch erneut platzen zu lassen. OB Salomon verlässt nach wenigen Minuten das Rathaus.
Im März kommt es dann wirklich zu dem ersten Gespräch. Position der Stadt: Keine weiteren Wagenplätze auf städtischem Gelände. Kommando Rhino soll nach einer privaten Lösung für ein Ersatzgelände suchen.


Frühjahr 2010

Die bevorstehenden Oberbürgermeisterwahl bestimmt mehr und mehr die weiteren Verhandlungen und die Gespräche verzögern sich erneut. Eine Lösung ist weiterhin nicht in Sicht. Die Zusage der Stadt, solange Verhandlungen im Gang sind, auf eine polizeiliche Räumen zu verzichten, macht eine Zwischennutzung des Geländes als Expo Infopark immer unwahrscheinlicher.

Im April entscheidet die Jury des Architektenwettbewerbs sich für den Entwurf eines Berliner Architektenbüros. Badische Zeitung (16.4.2010) Die endgültige Entscheidung, welcher Entwurf verwirklicht werden wird, obliegt jedoch der Stadtbau.

…. Die Chronik wird demnächst fortgesetzt ….
 
 
 
 
 
 
 
Eine Solidaritäts- Fotogeschichte über das Wagenleben auf dem Vaubangelände seit 1994 haben die Schattenparker ins Netz gestellt.

Hier zu lesen bzw. anzuschauen:
Vauban, M1 und die Wagen